Bräuche
„Die Fastnacht” - „Zapust”
„Der Flachs” - „Lan”
Das am ausgelassensten gefeierte Fest in der Niederlausitz ist der Zapust. Er wird Mitte Januar bis Anfang März in den Dörfern der Region begangen und bildet den Abschluss und Höhepunkt der im Winterhalbjahr allabendlich stattfindenden Spinte. An einem Samstag zieht die Jugend bunt verkleidet durch das Dorf und heischt Speck, Eier und Geld ein. Als Dankeschön wird die Hausfrau zum Tänzchen aufgefordert und der Hausherr bekommt sein „palenc” sein Schnäpschen angeboten. Der Höhepunkt ist dann der am Sonntag stattfindende Festumzug durch den Ort. In der Gaststätte werden die Paare für den Umzug zusammengestellt. Die Mädchen haben alle ihre festliche Tanztracht mit den bestickten Tüchern und den weißen Schürzen an. Vollständig ist die Tracht aber nur mit der „lapa”, dem kunstvoll gebundenen Kopftuch. Die Burschen heften an den Hut oder ans Revers Zapuststräuße aus Papier. Der bunt geschmückte Besen dient als Symbol zur Vertreibung des Winters und anderer unliebsamer Dämonen. Der Zug stattet Ehrenbesuche bei Bewohnern des Ortes ab und die Kapelle spielt ein Ständchen für den Ehrentanz. Als Dank erhalten die Männer und Frauen des Umzuges einen kleinen Imbiss. Abends finden sich alle zum Fastnachtstanz in der Gaststätte ein. Es gilt das überlieferte Gebot zur Fastnacht fleißig zu tanzen, damit der Flachs gut gedeiht. Damit er lang wird, soll man hoch springen und womöglich, mit einem großen Burschen tanzen.
Jatšy-Ostern
„Eiertanz” - „jajkowa rěja”
Das Ei gilt als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit. Durch das Verschenken von Eiern soll die innewohnende Lebenskraft auf den Beschenkten übergehen. Die Verzierung erhöht die Wertigkeit des Symbols. Weit verbreitet ist die Wachstechnik. Mittels besonderer zurechtgeschnittener kleiner Gänsefedern wie auch Stecknadelkuppen wird auf das saubere Ei ein symmetrisches Wachsmuster aufgetragen. Der Wachs schützt die darunter liegende Farbe und so entsteht ein vielfarbiges Muster. Der Vorgang kann beliebig wiederholt werden. Die Kratztechnik, die Ätztechnik und die Wachsbossiertechnik finden ebenfalls in dieser Gegend ihre Anwendung.
„Am Fließ” - „jatšowna wóda”
Das Osterwasserholen knüpft an den Glauben des Reinheit und Gesundheit fördernden Wassers an. Mit dem Osterwasser pflegte man sich zu waschen, besprengte aber auch das Vieh. In der Nacht zum Ostersonntag holten früher die Mädchen vor Sonnenaufgang das heilkräftige Wasser. Auf dem Weg zur Quelle oder zum Fließ musste völliges Schweigen bewahrt werden. Geschöpft wurde das Wasser dort, wo es aus östlicher Richtung floss, also vom Sonnenaufgang. Die Mädchen durften sich auch auf dem Rückweg nicht von den Burschen erschrecken lassen und kein Wort durfte über ihre Lippen kommen. Wurde das Schweigegebot aber gebrochen, so verlor das Osterwasser seine Gesundheit und Schönheit fördernde Wirkung und die Mädchen brachten Plapperwasser heim.
„Schönste Erinnerung” - „Do góle”
„Für den Liebsten” - „Za lubego”
„Die Ernte” - „Wožnjach”
Die Getreideernte war die wichtigste Periode im Jahreskreis des Bauern. Gute Erträge entschieden über Wohlstand der besitzenden Bauern und über ausreichend Nahrung der ärmeren Leute im Dorf. Durch die viele und auch langandauernde Arbeit auf dem Feld kamen auch junge Menschen zueinander. Nicht selten fanden sich zu dieser Zeit Paare. Wer jedoch vor Tanten und Großmüttern ungestört sein wollte, ging mit seinem Liebsten ins Heidekraut. Das Heidekraut wurde oftmals als Spreu in den Ställen verwendet, denn auch in harten Wintern musste das Stroh an das Vieh verfüttert werden. Zum Ende einer erfolgreichen Ernte wurde gefeiert, ge-trunken, gegessen, gesungen und getanzt.
„Abschied von der Braut” – „Póstrowy na njewjestu”
Da es zum Ende des Herbstes besonders viele Erträge gab, wurden auch oftmals Hochzeiten zum Ende der Erntezeit gehalten. So konnten das Brautpaar und deren Eltern ausreichend ihre Gäste bewirten. Das Brautpaar wurde auf dem Hof willkommen geheißen und alle Gäste traten durch das Tor, welches mit grünem Eichenlaub umwunden wurde. Die Girlanden werden von den Freundinnen der Braut kurz vor dem Tag der Trauung gewunden und frisch aufgehängt. Sie sollte dann so lange hängen bleiben, bis das Laub braun und vertrocknet ist.
„Die Spinte” – „Pśeza”
In den Wintermonaten trafen sich jeweils 5 bis 6 Mädchen des Dorfes auf einem Gutshof. Die Spinte war nicht nur Arbeitsgemeinschaft der Mädchen, sondern bildete auch das eigentliche dörfliche Geselligkeits- und Kulturzentrum. Die Burschen durften jedoch nicht die Stube betreten. Dorfgeschichten wurden erzählt und durch die Kantorka -die Vorsängerin- wurden alle bekannten Volkslieder erlernt. So war die Spinte sowohl Ausgangspunkt der Gestaltung aller Festlichkeiten im Jahr, als auch Hauptform zur Verbreitung und Festigung des Liedgutes. Vor der Frühjahrssaat musste es von der strengen Dorfgemeinschaft toleriert werden, dass die Burschen zur Mädchenspinte durften. Sie holten sich die Mädchen zum Zapustvergnügen und mit dem Zampern und der Fastnacht wurde die Vertreibung des Winters in Angriff genommen.